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Der 1909 als
Helmut Anton Paul – HAP – Grieshaber geborene Künstler verwirklicht sein
bildnerisches Werk hauptsächlich im Holzschnitt. Seine Motive entlehnt er Mythen
der Antike und Gegenwart, die er mit biblischer Einfachheit, polemischer Wucht
und intuitiver Kraft umsetzt. Nach absolvierter Buchdrucker- und
Schriftsetzerlehre studiert er von 1926 bis 28 in Stuttgart Kaligraphie. Von den
Nationalsozialisten mit Berufsverbot belegt, lässt er sich bei Reutlingen
nieder, wo er im Verborgenen weiter arbeitet. Nach seiner Lehrtätigkeit an der
Bernsteinschule bei Sulz am Neckar tritt er 1955 die Nachfolge von Erich Heckel
an der Staatlichen Kunstakademie in Karlsruhe an. Als kritisches Organ gibt
Grieshaber ab 1965 in lockerer Folge die nach einem Zitat von Walter Benjamin
benannte Zeitschrift „Der Engel der Geschichte“ heraus. Im vorliegenden Blatt,
das am Tage der Ermordung von Martin Luther King entsteht, kommentiert er das
politische Ereignis von großer Tragweite. Mit erdverbunden und blockhaften
Formen im unteren Teil betont er die Sterblichkeit der menschlichen Kreatur,
während im oberen Teil die Hoffnung auf ein Weiterleben des Geistes („I have a
dream“) genährt wird, indem sich der Kopf vom Rumpf trennt und mit den
ornamental gestalteten Flügeln frei und leicht davon zu schweben scheint. Der
Künstler setzt Farbe nicht als dekoratives Element, sondern symbolisch als
sinnbildlichen Ausdrucksfaktor ein, so unterstreicht das kräftige Violett die
Immaterialität des Vorgangs. Grieshabers Devise lautet: “nicht Erziehung zur
Kunst, sondern Erziehung zum Leben durch Kunst.“
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